| Veranstaltung: | 95. Landesschüler*innenparlament |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | TOP 6 Antragsphase III – Inhaltliche Anträge |
| Antragsteller*in: | Magnus Erdmann, Jannes Hagemeier, Emma Söncksen (LSS, Stellv. LSS, SV-BBZ Rendsburg-Eckernförde) |
| Status: | Geprüft |
| Eingereicht: | 26.01.2026, 22:13 |
A5: Frühbeginn ist Leistungsvernichtung – Klassenarbeiten vor 9 Uhr verbieten
Antragstext
Das Landesschüler*innenparlament stellt fest, dass schulische Leistungsbewertung
derzeit systematisch gegen gesicherte Erkenntnisse der Schlaf-, Entwicklungs-
und Bildungsforschung verstößt.
Jugendliche unterliegen einem biologisch nachweisbaren Verschiebungseffekt des
circadianen Rhythmus (sogenannter „social jetlag“). Studien der Chronobiologie
und Jugendmedizin belegen eindeutig, dass Jugendliche morgens deutlich später
leistungsfähig sind als Erwachsene. Früh angesetzte Prüfungen führen
nachweislich zu schlechteren Ergebnissen, erhöhter Fehlerquote, verminderter
Konzentrationsfähigkeit und erhöhtem Stressniveau.
Daher fordert das Landesschüler*innenparlament ein landesweites, verbindliches
Verbot aller bewerteten Leistungsnachweise vor 9:00 Uhr.
Ein Bildungssystem, das Leistungen zu Zeiten abprüft, in denen das Gehirn
physiologisch noch nicht leistungsfähig ist, misst keine Kompetenz, sondern
Schlafmangel. Schlechte Noten werden anschließend individualisiert, obwohl sie
strukturell erzeugt sind. Das ist keine Leistungsorientierung, sondern
wissenschaftlich belegte Fehlsteuerung.
Begründung
Wir reden ständig über Leistung, Vergleichbarkeit und Fairness – und ignorieren dabei konsequent die Wissenschaft. Die Chronobiologie ist hier eindeutig: Jugendliche sind morgens früher biologisch nicht leistungsfähig. Das ist kein Lifestyle-Problem, sondern ein physiologischer Fakt.
Wenn wir Klassenarbeiten vor 9 Uhr schreiben lassen, messen wir kein Wissen. Wir messen Schlafmangel, Stress und Anpassungsfähigkeit an ein System, das sich weigert, Erkenntnisse der Forschung ernst zu nehmen. Schlechte Noten werden anschließend individualisiert, obwohl sie strukturell erzeugt wurden.
Ein Bildungssystem, das sich wissentlich gegen wissenschaftliche Erkenntnisse stellt, verliert jede Glaubwürdigkeit. Wer Leistung will, muss auch Bedingungen schaffen, unter denen Leistung überhaupt möglich ist.

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