| Veranstaltung: | 95. Landesschüler*innenparlament |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | TOP 6 Antragsphase III – Inhaltliche Anträge |
| Antragsteller*in: | Sophie Scholz, Jannes Hagemeier (SV RBZ Steinburg, Stellv. LSS) |
| Status: | Geprüft |
| Eingereicht: | 02.02.2026, 18:15 |
A24: Erst Zertifikat, dann Erholung
Antragstext
Das Landesschülerparlament möge beschließen:
Die derzeit geltende Regelung, wonach in sogenannten Zertifikatsfächern eine
festgelegte maximale Anzahl an Fehlstunden vorgesehen ist und deren
Überschreitung – unabhängig von der Ursache – zum Entzug des jeweiligen
Zertifikats führen kann, wird aufgehoben.
Insbesondere entschuldigte Fehlzeiten, vor allem solche, die krankheitsbedingt
entstehen, dürfen künftig nicht mehr pauschal und automatisch den Verlust eines
Zertifikats nach sich ziehen. Eine solche Praxis widerspricht dem Grundsatz der
Chancengleichheit sowie einem gesundheitsförderlichen Umgang mit schulischer
Leistungserbringung und dem Schutze des sozialen Miteinanders.
Stattdessen sind alternative, faire, pädagogisch sinnvolle und
gesundheitsfreundliche Regelungen zu etablieren. Hierzu zählen insbesondere:
die Möglichkeit individueller Nachhol- und Ausgleichsleistungen,
die Anerkennung geeigneter Ersatzleistungen,
eine stärkere Gewichtung der tatsächlich erbrachten fachlichen Leistungen
gegenüber der reinen Anwesenheitszeit, sowie
die Schaffung verbindlicher Möglichkeiten zur digitalen oder hybriden
Teilnahme am Unterricht im Krankheitsfall, sofern dies gesundheitlich
vertretbar ist.
Ziel dieser Neuregelung und der Alternativen ist es, Leistungsgerechtigkeit
sicherzustellen, gesundheitliche Belastungen von Schüler*innen zu reduzieren und
strukturelle Benachteiligungen durch Krankheit oder andere entschuldigte
Abwesenheiten wirksam zu vermeiden.
Begründung
Die aktuelle Fehlstundenregelung in Zertifikatsfächern führt in der Praxis dazu, dass sich viele Schüler*innen trotz Krankheit gezwungen fühlen, am Unterricht teilzunehmen, um den Verlust ihres Zertifikats zu vermeiden. Dies stellt ein erhebliches gesundheitliches Risiko für die betroffenen Schüler*innen sowie für Mitschüler*innen und Lehrkräfte dar.
Schule sollte ein Ort sein, an dem die Gesundheit ernst genommen wird. Eine Regelung, die indirekt dazu motiviert, krank zur Schule zu kommen, widerspricht diesem Grundsatz. Gerade Zertifikatsfächer, die häufig zusätzlich zum regulären Unterricht stattfinden, erzeugen einen besonders hohen Druck, da Fehlzeiten dort schneller Konsequenzen haben als in anderen Fächern.
Darüber hinaus ist Anwesenheit allein kein verlässlicher Indikator für Leistung oder Engagement. Schüler*innen können Inhalte auch eigenständig nacharbeiten oder auf andere Weise ihre Kompetenzen nachweisen. Die starre Begrenzung von Fehlstunden benachteiligt insbesondere chronisch kranke Schüler*innen oder solche mit längeren Krankheitsphasen und steht damit im Widerspruch zu Chancengleichheit und Inklusion.
Eine Abschaffung der Fehlstundenbegrenzung würde den schulischen Umgang mit Krankheit humaner, gerechter und zeitgemäßer gestalten und gleichzeitig die Qualität der Zertifikate durch leistungsbezogene Bewertung sichern.

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